Device Census verwendet die Webcam: was dahintersteckt

Die Meldung kommt unvermittelt und klingt beunruhigend: Device Census versucht, auf Ihre Webcam zuzugreifen. Je nach Schutzprogramm heißt es auch Device Census verwendet die Webcam. Gemeldet wird das von so ziemlich jeder Sicherheitssoftware, die eine Kamera-Überwachung mitbringt, also unter anderem von ESET, Kaspersky, G Data, Avira und McAfee.

Der erste Gedanke ist verständlicherweise: Jemand schaut mir zu. Die Entwarnung vorweg, dann die Erklärung.

Sicherheitssoftware meldet, dass Device Census auf die Webcam zugreifen will
So sieht die Meldung aus, hier bei ESET Internet Security

Ist Device Census ein Trojaner?

Nein. Die Datei heißt DeviceCensus.exe und liegt unter C:\Windows\System32. Das kannst du selbst nachsehen: Rechtsklick auf die Datei, dann Eigenschaften und der Reiter Details. Dort steht Microsoft als Herausgeber, und unter Digitale Signaturen findest du die Signatur von Microsoft. Schadsoftware, die sich als Systemdatei ausgibt, liegt in aller Regel woanders, etwa im Benutzerordner oder unter AppData, und trägt keine gültige Signatur.

Wer ganz sichergehen will, lädt die Datei bei einem Online-Dienst wie VirusTotal hoch und lässt sie von mehreren Scannern prüfen. Bei der echten DeviceCensus.exe kommt dabei nichts heraus.

Was Device Census wirklich macht

Device Census gehört zur Telemetrie von Windows, also zu der Datenerhebung, mit der Microsoft erfasst, welche Geräte und Programme im Einsatz sind und wo etwas schiefgeht. Der Dienst inventarisiert dabei in regelmäßigen Abständen die Ausstattung des Rechners: Prozessor, Arbeitsspeicher, Laufwerke, Bildschirm, angeschlossene Geräte. Und eben auch die Kamera.

Dieser Punkt ist der entscheidende: Abgefragt wird das Gerät, nicht das Bild. Es geht darum, ob eine Kamera vorhanden ist, welches Modell verbaut ist und welcher Treiber läuft. Für Windows ist das dieselbe Art Abfrage wie beim Drucker. Für deine Sicherheitssoftware sieht es dagegen erst einmal aus wie jeder andere Kamerazugriff, und deshalb fragt sie nach.

Warum die Meldung überhaupt kommt

Der Webcam-Schutz moderner Sicherheitsprogramme arbeitet nach einem einfachen Prinzip: Er meldet jeden Zugriff, den er nicht selbst als vertrauenswürdig hinterlegt hat. Ob Systemdatei oder nicht, spielt dabei zunächst keine Rolle. Weil Device Census nur gelegentlich läuft, taucht die Meldung sporadisch auf, oft nach einem größeren Windows-Update, und wirkt dadurch umso verdächtiger.

Du kannst den Zugriff im Schutzprogramm dauerhaft erlauben. Das ist bei der echten Systemdatei unbedenklich, und die Meldung verschwindet. Wichtig ist nur, dass du vorher wie oben beschrieben prüfst, dass die Datei tatsächlich unter System32 liegt.

Device Census abschalten, wenn es dich stört

Nötig ist das nicht, es ist eine Frage der eigenen Haltung zur Telemetrie. Drei Wege, vom sanften zum konsequenten:

  1. Diagnosedaten reduzieren. Unter Einstellungen › Datenschutz und Sicherheit › Diagnose und Feedback die optionalen Diagnosedaten abschalten. Danach sendet Windows nur noch, was als erforderlich gilt. Vollständig abschalten lässt sich die Telemetrie in den Home- und Pro-Ausgaben nicht.
  2. Die geplante Aufgabe deaktivieren. Öffne die Aufgabenplanung und geh im Baum links auf Aufgabenplanungsbibliothek › Microsoft › Windows › Device Information. Die dortige Aufgabe lässt sich per Rechtsklick deaktivieren. Rechne damit, dass ein größeres Windows-Update sie wieder aktiviert.
  3. Kamerazugriff generell einschränken. Unter Einstellungen › Datenschutz und Sicherheit › Kamera legst du fest, welche Apps überhaupt auf die Kamera dürfen. Das ist ohnehin einen Blick wert, unabhängig von Device Census.

Was du nicht tun solltest: die Datei löschen oder umbenennen. Sie gehört zum System, Windows stellt sie beim nächsten Update ohnehin wieder her, und du handelst dir nur Fehlermeldungen ein.

Wann es doch ernst ist

Die Entwarnung gilt für die echte Systemdatei. Hellhörig werden solltest du, wenn:

  • die Datei nicht unter C:\Windows\System32 liegt, sondern etwa im Benutzer- oder Download-Ordner,
  • der Herausgeber in den Eigenschaften fehlt oder nicht Microsoft lautet,
  • die Kamera-Leuchte dauerhaft an ist, ohne dass ein Programm läuft,
  • zusätzlich fremde Programme, eine veränderte Startseite oder unerwünschte Werbung auftauchen.

In diesen Fällen führt der Weg über einen Suchlauf mit Malwarebytes und, wenn der Browser betroffen ist, über den Ratgeber Browser-Hijacker erkennen und entfernen. Grundsätzliches zum Schutz steht unter Sicherheit im Internet.

Webcam abkleben, ja oder nein?

Ein Stück Klebeband oder eine kleine Schiebeabdeckung kostet fast nichts und nimmt der ganzen Frage die Schärfe. Es schützt nicht vor Datenabfluss und nicht vor dem Mikrofon, aber es beendet zuverlässig die Sorge vor dem heimlichen Blick ins Wohnzimmer. Wer regelmäßig Videokonferenzen macht, nimmt eine Schiebeabdeckung statt Klebeband, das spart Nerven.

Das Mikrofon lässt sich so nicht abdecken. Dafür gibt es unter Einstellungen › Datenschutz und Sicherheit › Mikrofon dieselbe App-Verwaltung wie bei der Kamera.

Häufige Fragen

Kann ich den Zugriff einfach dauerhaft erlauben?

Ja, sofern die Datei unter C:\Windows\System32 liegt und von Microsoft signiert ist. Dann ist es eine Systemabfrage und die Meldung verschwindet dauerhaft.

Nimmt Device Census Bilder oder Videos auf?

Nein. Erfasst wird, welche Kamera verbaut ist und welcher Treiber läuft, nicht das Kamerabild. Ob gerade tatsächlich jemand auf die Kamera zugreift, zeigt dir Windows über das Kamerasymbol in der Taskleiste und über die Liste der letzten Aktivitäten.

Betrifft das nur Windows 10?

Nein, Device Census gehört auch zu Windows 11. Die Meldung tauchte erstmals unter Windows 10 in größerem Umfang auf, das Verhalten ist unverändert.

Kann ich die DeviceCensus.exe löschen?

Besser nicht. Sie gehört zum System und wird beim nächsten Update wiederhergestellt. Wenn du die Abfrage loswerden willst, deaktiviere die geplante Aufgabe unter Device Information in der Aufgabenplanung.

Kommt die Meldung nach einem Update wieder?

Das kann passieren. Größere Windows-Updates setzen deaktivierte Aufgaben teilweise zurück. Dann einfach denselben Weg noch einmal gehen.