Fake-Käufer mit Kurier: So erkennst du die Masche bei Kleinanzeigen und Marketplace

Ich hatte ein Bett mit Bettkasten, Topper und Boxspringbett-Optik für 200 Euro eingestellt, auf Kleinanzeigen und auf Facebook Marketplace. Auf beiden Portalen kamen nach kurzer Zeit mehrere Anfragen, die sich auffallend ähnelten und auch zwischen den Portalen kaum voneinander abwichen: Das Bett sei noch da? Wie sei der Zustand? Dann folgte jedes Mal derselbe Satz, warum es mit der Abholung nicht klappt, und ein Kurier sollte es richten. Nur die Begründung und der Kurierdienst wechselten.

Das ist kein Zufall und kein Pech mit Interessenten, sondern eine bekannte Masche gegen Verkäufer. Dieser Ratgeber zeigt, wie sie abläuft, woran du sie erkennst und was du tust, wenn du schon geantwortet hast.

So lief es bei mir: zwei Anfragen, zwei Minuten

Zwei der Nachrichten habe ich aufgehoben. Sie kamen über Facebook Marketplace als Benachrichtigungsmail, am 1. November 2026 im Abstand von zwei Minuten. Auf Kleinanzeigen lief es mit ähnlichen Antworten genauso. Die erste lautet: „Okay, ich kaufe es. Die Zahlung erfolgt jedoch per GLS Expressversand.“ Die zweite: „In Ordnung, ich nehme es. Ich würde gerne morgen vorbeikommen, bin aber beruflich verhindert; daher schicke ich einen EMS-Boten zu Ihnen nach Hause, der Ihnen das Geld bar übergibt und den Artikel abholt.“

Marketplace-Benachrichtigung: Okay, ich kaufe es. Die Zahlung erfolgt jedoch per GLS Expressversand.
Anfrage 1: Bezahlt werden soll „per GLS Expressversand“.
Marketplace-Benachrichtigung: Beruflich verhindert, ein EMS-Bote übergibt das Geld bar und holt den Artikel ab.
Anfrage 2: Ein „EMS-Bote“ soll das Bargeld bringen und das Bett abholen.

Auffällig ist, was fehlt. Niemand fragt nach Maßen, Matratze, Zustand oder einem Termin. Der Preis wird nicht verhandelt. Die Kaufentscheidung fällt sofort, und im selben Atemzug wird die Abholung an einen Dritten ausgelagert. Dazu steht in der Mail: „Du kannst direkt auf diese E-Mail antworten.“ Wer das tut, führt das Gespräch außerhalb der Plattform weiter, und genau davor warnt Facebook.

Ich habe die Anfragen auf beiden Portalen kurz mit dem Hinweis beantwortet, dass ich das für einen Fake halte. Ich habe keinen Link angeklickt, nichts eingegeben und nichts überwiesen.

Wo der Haken ist: Was am Ende von dir verlangt wird

Der Kurier ist nur das Vehikel. Entscheidend ist, was danach kommt. Die Verbraucherzentralen, Kleinanzeigen und Meta beschreiben mehrere Varianten:

VarianteWas du tun sollstWas dahinter steckt
TransportkostenGebühr für Spedition oder Kurier vorstrecken, etwa per WiseDas Geld ist weg, der Kaufpreis kommt nie
ZahlungslinkKarten- oder Kontodaten auf einer Seite eingeben, „um das Geld zu erhalten“Gefälschte Seite, es geht um deine Daten
ZahlungsbelegWare verschicken, weil ein Screenshot Zahlung zeigtDer Beleg ist gefälscht
ÜberzahlungZu viel gezahlten Betrag zurücküberweisenDie erste Zahlung gibt es nicht

Die Verbraucherzentrale NRW nennt die Transportkosten-Falle ausdrücklich: Der Interessent will die Transportkosten übernehmen, der Verkäufer soll sie vorstrecken oder überweisen, zum Beispiel über einen externen Dienst wie Wise. Die Kosten werden nie erstattet, die Ware wird nie bezahlt. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen beschreibt den Ablauf genauer: Der Käufer sei „beruflich im Ausland“, schicke eine angebliche Bankmail über die Zahlung, und der Verkäufer soll die Abholkosten per Transferwise an ein Transportunternehmen schicken. Danach folgen Drohmails.

Wie hoch das werden kann, zeigt ein Fall, den der Berliner Kurier schildert. Ein Mann bot sein E-Bike für 850 Euro an. Eine „Royal Bank of Canada“-Mail kündigte 1.150 Euro an, die freigegeben würden, wenn er vorher 300 Euro an eine Spedition überweist. Ein Kriminalhauptkommissar vom Landeskriminalamt Niedersachsen sagt dazu, diese Masche komme vor allem bei großen und hochpreisigen Waren wie Möbeln oder Autos vor. Ein Bett fällt genau in dieses Raster.

Auch die Sparkassen warnen vor dieser Seite der Masche. Ihr Computer-Notfallteam beschreibt in einer Warnung vom 22. April 2026, dass Betrüger Verkäufern auf Kleinanzeigen vorgeben, einen Artikel kaufen zu wollen, und eine gefälschte Zahlungsbestätigung schicken. Der Weg führt auf eine Phishing-Seite, auf der Kreditkartendaten, Online-Banking-Zugangsdaten und weitere persönliche Daten abgefragt werden oder du eine betrügerische Transaktion freigeben sollst. Mit den Daten könnten die Täter dich außerdem im Namen deiner Sparkasse anrufen.

Bei der Variante „Ein Bote bringt das Bargeld“ aus meinem zweiten Screenshot kann ich dir nicht sagen, wo der Haken liegt. Weder Meta noch Kleinanzeigen beschreiben sie so. Ich habe nicht weitergeschrieben, um es herauszufinden. Wahrscheinlich folgt auch hier eine Vorabzahlung oder ein Link, belegt ist das nicht.

Woran du die Masche erkennst

  • Mehrere gleichlautende Anfragen in kurzer Zeit. Kleinanzeigen nennt unpersönliche oder ausweichende Antworten einen Hinweis auf automatisierte oder kopierte Nachrichten.
  • Keine Abholung möglich. „Bin unterwegs“ oder „beruflich verhindert“ führt Kleinanzeigen in seiner Warnsignal-Liste als typische Ausrede bei Betrugsversuchen.
  • Der Kurier oder Bote ist Teil des Angebots. Kleinanzeigen schreibt: Es gibt keinen Kurierdienst oder Drittanbieter-Zahlungsservice außerhalb von „Sicher bezahlen“.
  • Kein Interesse am Artikel selbst, keine Fragen, kein Verhandeln.
  • Der Kontakt soll die Plattform verlassen, per Mail, Telefon oder über einen Link. Meta führt das früh gewünschte Ausweichen auf Telefon oder E-Mail als Warnsignal. Betrug abseits der Plattform komme am häufigsten bei Fahrzeugen, Mietobjekten und Haushaltswaren vor.
  • Eine „Zahlungsbestätigung“. Laut Kleinanzeigen verschickt die Plattform keine Zahlungsaufforderungen per E-Mail oder SMS, und echte Mails kommen immer von @kleinanzeigen.de.

So verkaufst du sicher

Abholung gegen Bargeld ist der sicherste Weg. Kleinanzeigen schreibt, bei der Abholung finden Zahlung und Übergabe gleichzeitig statt. Die Verbraucherzentrale NRW sieht das genauso. Bei einem Bett, das niemand verschicken will, ist das ohnehin der Normalfall.

  • Gib nichts heraus, um Geld zu bekommen. Echte Zahlungsdienste überweisen Geld, ohne dass du etwas bestätigen musst. Keine Kartennummern, keine TANs, keine Anmeldung über fremde Links.
  • Zahle nie vorab. Keine Transportkosten, Gebühren oder „Versicherungen“, auch nicht „nur kurz, wird erstattet“.
  • Verlass dich nicht auf Screenshots. Meta rät, immer das eigene Konto zu prüfen, auch wenn jemand einen Screenshot der Zahlung schickt.
  • Bleib auf der Plattform. Antworte nicht auf die Benachrichtigungsmail, wenn sie das Gespräch aus der App herausführt.
  • Melde das Profil und die Anfrage. Bei Kleinanzeigen gibt es dafür einen Button in der Anzeige, bei Marketplace meldest du Käufer, Verkäufer oder Inserat.

Schon geantwortet oder etwas eingegeben?

Eine Antwort allein richtet noch keinen Schaden an. Brich den Kontakt trotzdem ab und schreib nicht weiter. Hast du einen Link angeklickt und etwas eingegeben, handle sofort:

  • Bank oder Kartenanbieter anrufen und die Karte oder das Konto sperren lassen. Das empfehlen die Verbraucherzentralen, damit Zahlungen geprüft oder rückgängig gemacht werden können. Das Computer-Notfallteam der Sparkassen rät dasselbe: Melde dich sofort, damit der Online-Banking-Zugang und gegebenenfalls die Kreditkarte gesperrt werden.
  • Passwörter ändern, zuerst das des E-Mail-Kontos. Was dann zu tun ist, steht in Konto gehackt? So prüfst du Datenlecks und schützt deinen Zugang.
  • Beweise sichern: Screenshots von Chats, Mails und Zahlungsdaten.
  • Anzeige bei der Polizei erstatten. Kleinanzeigen empfiehlt das ausdrücklich, auch bei versuchtem Betrug, damit Muster schneller erkannt werden.

Wenn du allgemein im Netz kaufst statt verkaufst, hilft dir Schutz vor Betrug beim Online-Shopping.

Bietet Kleinanzeigen einen Kurierdienst für Verkäufer an?

Nein. Kleinanzeigen schreibt in seiner Hilfe, dass es außerhalb von „Sicher bezahlen“ keinen Kurierdienst und keinen Drittanbieter-Zahlungsservice gibt. Wer dir das anbietet, handelt nicht im Auftrag der Plattform.

Warum schickt der Käufer einen Kurier, statt selbst zu kommen?

Weil ein echter Käufer das Bett ansehen will. Der Kurier ist die Ausrede, die Abholung und Zahlung aus deinem Blickfeld zu nehmen, damit du Gebühren zahlst oder Daten eingibst. Kleinanzeigen führt „keine Abholung möglich“ als typisches Warnsignal.

Muss ich Transportkosten vorstrecken, damit ich mein Geld bekomme?

Nein. Die Verbraucherzentrale NRW nennt genau das als Betrugsmasche: Die Kosten werden nie erstattet, die Ware nie bezahlt. Überweist der Verkäufer die angeblichen Transportkosten, bricht der Kontakt laut Landeskriminalamt Niedersachsen ab, und das Geld ist weg.

Darf ich auf die Marketplace-Mail direkt antworten?

Technisch ja, doch dann läuft das Gespräch außerhalb der Plattform. Meta nennt den Wechsel auf Telefon oder E-Mail als Warnsignal. Antworte besser nur im Chat der App und melde den Verdacht.

Gilt das nur für Betten und Möbel?

Nein, aber große und teure Sachen sind besonders beliebt, weil sich niemand wundert, dass sie nicht per Post kommen. Neben Möbeln nennt das Landeskriminalamt Niedersachsen im Berliner Kurier auch Autos, laut Meta kommt Betrug abseits der Plattform vor allem bei Fahrzeugen, Mietobjekten und Haushaltswaren vor.

Die Angaben stützen sich auf die Hilfeseiten von Kleinanzeigen zu gefälschten Zahlungsaufforderungen und zum sicheren Handeln, das Betrugsschutzzentrum von Meta für Marketplace, die Seiten der Verbraucherzentrale NRW und der Verbraucherzentrale Niedersachsen die Sicherheitswarnungen der Sparkassen sowie den Bericht des Berliner Kurier.