Plötzlich stehen Termine im Kalender, die niemand eingetragen hat. Mal ist ein iPhone gewonnen, mal wartet angeblich ein Paket, mal warnt ein Eintrag vor angeblichen Viren auf dem Gerät. Immer ist ein Link dabei, immer läuft angeblich gerade eine Frist ab.
Das Ganze wirkt beunruhigend, weil es aussieht, als hätte jemand Zugriff auf dein Konto. Hat er in aller Regel nicht. Der Kalender macht schlicht das, wofür er gebaut wurde: Er nimmt Einladungen entgegen und trägt sie ein, ganz gleich, von wem sie kommen. Genau diese Bequemlichkeit nutzen Spammer aus.
Was die Absender wollen
Hinter den Terminen steckt eine Weiterleitungskette. Der Link führt auf eine Seite, die je nach Gerät und Standort unterschiedliche Ziele ausspielt: gefälschte Gewinnspiele, die nach Adresse und Kreditkartendaten fragen, Fake-Shops, Abo-Fallen mit versteckten monatlichen Kosten oder Seiten, die zum Installieren einer angeblichen Schutz-App drängen.
Das Muster ist dasselbe wie bei gefälschten Amazon-Mails, nur über einen anderen Kanal. Der Kalender hat für die Absender sogar zwei Vorteile: Der Eintrag landet an keinem Spamfilter vorbei direkt im Blickfeld, und er meldet sich zur eingestellten Zeit von selbst per Benachrichtigung.
iPhone und iPad: den untergeschobenen Kalender loswerden
Auf Apple-Geräten kommt der Spam meist nicht als Einladung, sondern als abonnierter Kalender. Ein Tippen auf einen Werbebanner oder einen präparierten Link genügt, und schon fragt iOS, ob dieser Kalender abonniert werden soll. Wer das im Vorbeigehen bestätigt, bekommt fortan fremde Termine eingespielt. Einzelne Termine zu löschen bringt deshalb nichts, sie kommen wieder. Weg muss das Abo.
- Öffne die Kalender-App und tippe unten in der Mitte auf Kalender.
- Suche in der Liste den Eintrag, den du nicht kennst. Er steht meist unter Abonniert und trägt einen kryptischen Namen oder eine Adresse.
- Tippe rechts daneben auf das Info-Symbol und ganz unten auf Kalender löschen.
Findest du dort nichts, geh über die Systemeinstellungen: Einstellungen, dann Apps und Kalender, dort zu den Kalender-Accounts. Auf älteren iOS-Versionen steht der Punkt direkt unter Einstellungen › Kalender › Accounts. Unter Abonnierte Kalender löschst du den fremden Eintrag.
Kam der Spam doch als einzelne Einladung, öffne sie in der Kalender-App und wähle Junk melden statt Ablehnen. Apple entfernt den Termin dann und wertet den Absender aus.
Wenn dein Kalender zusätzlich Termine anzeigt, die aus Mails stammen, lässt sich das ebenfalls abschalten. Der Schalter für automatisch erkannte Termine sitzt bei den Kalender-Einstellungen, je nach iOS-Version unter Einstellungen › Apps › Kalender oder direkt unter Einstellungen › Kalender.
Google Kalender: Einladungen nicht mehr automatisch eintragen
Beim Google Kalender ist die entscheidende Stellschraube eine Voreinstellung: Einladungen werden auch ohne deine Zustimmung eingetragen. Das lässt sich abstellen, allerdings nur im Browser am Rechner. In der Handy-App fehlt die Option.
- Öffne calendar.google.com und klicke oben rechts auf das Zahnrad, dann auf Einstellungen.
- Wähle links Allgemein und dort den Abschnitt Termineinstellungen.
- Stelle Einladungen automatisch hinzufügen auf Nein, nur Einladungen anzeigen, auf die ich geantwortet habe.
- Entferne unter Ansichtsoptionen den Haken bei Abgelehnte Termine anzeigen.
Ein Speichern-Knopf fehlt, Google übernimmt die Änderung sofort. Die Einstellung hängt am Konto, gilt also auch für die App auf dem Handy und für Android-Geräte, die denselben Google-Account nutzen.
Bereits eingetragene Spam-Termine löschst du danach von Hand. Öffne den Eintrag und wähle das Papierkorb-Symbol. Taucht derselbe Termin in Serie über Wochen auf, handelt es sich um eine Terminreihe, dann bietet Google beim Löschen an, alle Vorkommen zu entfernen.
Android und andere Kalender
Android nutzt in aller Regel denselben Google-Kalender, die oben beschriebene Einstellung im Browser genügt also. Wer stattdessen den Kalender von Samsung, Outlook oder einem anderen Anbieter verwendet, sucht dort nach einer Option mit dem Namen Einladungen automatisch hinzufügen oder nach der Liste der abonnierten Kalender. Der Mechanismus ist überall derselbe.
Was tun, wenn du schon getippt hast?
Ein einzelner Aufruf der Seite ist noch kein Drama, solange du nichts eingegeben und nichts installiert hast. Wichtig sind die nächsten Schritte:
- Hast du Zugangsdaten eingegeben, ändere das Passwort des betroffenen Dienstes sofort und aktiviere die Zwei-Faktor-Anmeldung.
- Hast du Zahlungsdaten eingegeben, sperre die Karte und informiere die Bank. Prüfe die Abrechnung auch die nächsten Wochen.
- Hast du eine App installiert, deinstalliere sie und lass das Gerät prüfen. Für Windows-Rechner beschreibt das der Ratgeber Browservirus entfernen.
- Wurde etwas bestellt oder abgebucht, hilft die Übersicht Schutz vor Betrug beim Online-Shopping weiter.
Warum die Masche bis heute funktioniert
Die ersten großen Wellen liefen 2019, damals überwiegend mit angeblich gewonnenen iPhones. Verschwunden ist das Problem nie, es wechselt nur die Verkleidung: mal Paketbenachrichtigung, mal Virenwarnung, mal ein angebliches Abo, das gleich ablaufe.
Der Grund ist simpel. Anders als bei E-Mails gibt es für Kalender-Einladungen keinen etablierten Spamfilter. Der Kalender vertraut dem Absender, weil Einladungen ja normalerweise erwünscht sind. Solange diese Voreinstellung gilt, bleibt der Weg offen, und die einzige wirksame Bremse ist die Umstellung, die du oben vorgenommen hast.
Ähnlich gelagert und ebenfalls verbreitet: die angebliche Freenet-Mail mit McAfee-Link. Wie du deinen Browser generell gegen solche Seiten absicherst, steht im Ratgeber Browserschutz.
Häufige Fragen
Ist mein Konto gehackt, wenn fremde Termine auftauchen?
Nein. Für eine Kalender-Einladung braucht niemand dein Passwort, die Mail-Adresse genügt. Das Konto selbst ist nicht betroffen. Beunruhigend wäre es erst, wenn zusätzlich Anmeldungen aus fremden Ländern auftauchen. Das siehst du in den Sicherheitseinstellungen deines Kontos.
Woher haben die Absender meine Adresse?
Meist aus geleakten Datenbeständen früherer Hacks, dazu aus Adresshandel und automatisiertem Abgrasen von Webseiten. Ob deine Adresse in einem bekannten Leak steckt, kannst du bei Have I Been Pwned nachsehen.
Warum kommt der Termin nach dem Löschen wieder?
Dann steckt ein abonnierter Kalender dahinter, der die Termine immer wieder nachliefert. Gelöscht werden muss das Abo, nicht der einzelne Eintrag. Auf dem iPhone geht das in der Kalender-App über die Liste unter Kalender.
Hilft es, den Absender zu blockieren?
Kaum, denn die Adressen wechseln bei jeder Welle. Wirksam ist nur, die automatische Übernahme abzuschalten und fremde Kalender-Abos zu entfernen.
Kann ich die Termine als Spam melden?
Ja. Apple bietet bei Kalender-Einladungen Junk melden an, Google einen entsprechenden Meldeweg beim Termin selbst. Das hilft den Filtern, ersetzt aber nicht die geänderte Einstellung.
