TYPO3 im Einsatz

Wie Agenturen damit professionelle Webauftritte umsetzen

Mein letztes größeres TYPO3-Projekt liegt mit meiner damaligen Agentur 15+ Jahre zurück. 2010, ein Webportal mit über 100 Redakteuren, mehrsprachig, mit klaren Freigabeketten und einem Rechtesystem, an dem ich heute noch denke, wenn mich ein Kunde fragt, ob WordPress 50 Editoren mit unterschiedlichen Zugriffen sauber abbilden kann. Konnte es damals nicht, kann es heute auch nur mit Plugin-Krücken.

Seitdem bin ich bei WordPress hängen geblieben. Ehrlich gesagt nicht aus voller Überzeugung, sondern weil 90 Prozent meiner Kunden Anforderungen mitbringen, die WordPress gut löst. Eine Praxis, ein Handwerksbetrieb, ein kleiner Shop, eine Vereinsseite. Da ist TYPO3 mit Kanonen auf Spatzen.

Aber die Wahrheit ist: TYPO3 hat seinen Platz. Und ich habe in den letzten Wochen wieder gemerkt, warum.

Warum TYPO3 in Agenturhand immer noch erste Wahl ist

TYPO3 ist Open Source, kommt ursprünglich aus Dänemark (Kasper Skårhøj, 1997) und wird von einer ziemlich aktiven Community gepflegt. Das CMS hat den Ruf eines Enterprise-Werkzeugs. Konzerne, Hochschulen, Verwaltungen, große Verbände. Wer dort sitzt, denkt selten an WordPress, sondern an TYPO3.

Drei Punkte, die TYPO3 in Agenturhand richtig stark machen:

  • Das Rechtesystem Genau hier holt mich TYPO3 jedes Mal wieder ab. Pro Seite, pro Bereich, pro Redaktionsgruppe regeln, wer was sehen, bearbeiten oder freigeben darf. Ohne Plugin-Stack, ohne Workaround. Das ist Backend-Komfort, der dir bei 30 oder 100 Redakteuren das Leben rettet.
  • Mehrsprachigkeit. Übersetzungen mit klarer Verknüpfung zur Originalseite, Fallback-Logik inklusive. Eingebaut, nicht angeschraubt. Wer das mal mit WPML oder Polylang gemacht hat, weiß den Unterschied.
  • Mandantenfähigkeit. Mehrere Domains, mehrere Marken, eine Installation. Wer ein Filialnetz oder einen Konzern mit Tochterfirmen pflegt, fährt mit TYPO3 oft besser als mit einer WordPress-Multisite.

Dazu kommt der Long-Term-Support. Die TYPO3 Association liefert für jede LTS-Version drei Jahre Sicherheits-Updates mit klarer Roadmap. Für Auftraggeber aus Behörden und großen Mittelständlern ist das oft das Argument, das den Ausschlag gibt.

Wo TYPO3 nichts verloren hat (meine ehrliche Sicht)

Ich bin Praktiker, kein TYPO3-Verkäufer. Wenn mich ein Kunde fragt, sage ich ihm, was ich denke. Und ich denke: Für eine Arztpraxis, einen Handwerksbetrieb oder einen kleinen Onlineshop ist TYPO3 fast immer überdimensioniert. WordPress oder ein schlankes Custom-System bringt schneller bessere Ergebnisse, kostet weniger und ist im Alltag einfacher zu pflegen.

Faustregel aus der Praxis: TYPO3 fängt da an, wo 50 oder mehr Redakteure auf das Backend zugreifen, wo strikte Workflows und Freigabeketten gefragt sind, wo mehrere Sprachen oder Mandanten zentral gepflegt werden, oder wo die IT-Abteilung des Kunden Compliance-Anforderungen stellt, die ein typisches WordPress-Setup nicht erfüllt. Unter dieser Schwelle ist der Aufwand schwer zu rechtfertigen.

Die Lernkurve ist steiler. Die Entwicklungskosten sind höher. Und gute TYPO3-Entwickler sind seltener als WordPress-Profis. Das alles muss ein Projekt rechtfertigen können, sonst macht TYPO3 wenig Sinn.

Was eine gute Agentur aus TYPO3 herausholt

Die Software ist nur ein Teil. Den Unterschied macht, wer damit arbeitet. Eine erfahrene Agentur baut nicht einfach Templates ins Backend, sondern denkt in Modulen, Inhaltselementen und Editor-Komfort. Das Ziel: Die Redaktion soll Inhalte pflegen können, ohne den Entwickler anzurufen.

Genau hier wird das Template-System von TYPO3 zum Knackpunkt. Wer wissen will, wie tief das Konzept geht, schaut am besten direkt in die offizielle Dokumentation zu den TYPO3-Templates. Dort wird sichtbar, dass Templates in TYPO3 nicht nur Optik regeln, sondern die ganze Trennung von Struktur, Inhalt und Darstellung. Genau diese Trennung ist es, die das CMS für komplexe Projekte so brauchbar macht.

Was ich von einer guten TYPO3-Agentur erwarten würde:

  • ein klar strukturiertes Backend mit nur den Inhaltselementen, die wirklich gebraucht werden
  • eine saubere TypoScript-Konfiguration und ein wartbares Sitepackage
  • eine Schulung für die Redaktion, damit nach dem Launch nichts brach liegt
  • eine Update-Strategie für die LTS-Versionen
  • ein Designkonzept, das nicht nach Standard-Template aussieht

Den letzten Punkt unterschätzen viele. TYPO3-Websites haben den Ruf, optisch eher behäbig zu sein. Behördenseiten in Beige, das Bild kennt man.

Vor ein paar Wochen bin ich beim Recherchieren über eine Schweizer Agentur gestolpert: Violetta Digital Craft. Ich habe mich ehrlich gesagt schon nach den ersten zwei Referenzseiten dabei erwischt, dass ich dachte: Moment, das soll TYPO3 sein? Beyer Uhren & Juwelen, Migros Einkaufscenter, Knutwiler. Animationen, Typografie, Bildwelten, alles auf einem Niveau, das man dem CMS oft nicht zutraut. Hab dann lange in den Referenzen gestöbert, das geht einem so wie einem Webdesigner, der sich an guter Arbeit nicht satt sehen kann.

Wer sich anschauen will, wie professionelles Zürich Webdesign mit TYPO3 heute aussehen kann, klickt sich am besten selbst durch. Best of Swiss Web Awards 2021 und 2022, dazu eine Nominierung beim TYPO3 Award 2023, das ist nicht zufällig. Für mich war das die Stelle, an der ich mein altes Vorurteil („TYPO3 sieht halt aus wie TYPO3“) endgültig in die Tonne getreten habe.

TYPO3 und Sicherheit: ein oft übersehener Pluspunkt

Weil es auf diesem Blog viel um Browser- und Internetsicherheit geht, verdient ein Punkt einen kurzen Abstecher. TYPO3 hat einen guten Sicherheits-Track-Record. Das TYPO3 Security Team veröffentlicht Patches strukturiert, kommuniziert offen und versorgt die LTS-Versionen drei Jahre lang.

Im Vergleich zu WordPress ist die Angriffsfläche kleiner. Tausende Plugins von Drittanbietern wie im WordPress-Ökosystem gibt es schlicht nicht. Erweiterungen kommen aus dem TYPO3 Extension Repository und sind in der Regel professioneller gepflegt. Das ist einer der Gründe, warum Banken, Versicherungen und viele Behörden TYPO3 als gesetzte Wahl behandeln.

Versteh mich nicht falsch: Auch eine TYPO3-Installation kann unsicher sein. Veraltete Versionen, falsch konfigurierte Server, schwache Passwörter im Backend. Klassische Einfallstore. Aber das CMS selbst gibt einem ein solides Fundament, auf dem man aufbauen kann.

Mein Fazit nach 15 Jahren Abstand

Ich werde nicht zum TYPO3-Verkäufer. Für 90 Prozent meiner Projekte bleibt WordPress das richtige Werkzeug, und das wird sich auch nicht so schnell ändern. Aber wenn der nächste Kunde mit einem Konzern-Intranet, einer Mandantenverwaltung oder einem mehrsprachigen Großportal um die Ecke kommt, hole ich TYPO3 wieder aus dem Werkzeugkasten.

Was sich seit 2010 spürbar verändert hat: Das Backend ist deutlich angenehmer geworden. Die Versionssprünge sind weniger schmerzhaft. Und die Agenturen, die sich auf das CMS spezialisiert haben, holen optisch und technisch heraus, was vor 15 Jahren undenkbar war. Wer ein gutes Beispiel sucht, klickt sich durch die Referenzen einer guten Schweizer TYPO3-Agentur. Dann sieht man auf einen Blick, ob das Werkzeug zum eigenen Projekt passt.

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Daniel

Über den Autor

Daniel Weihmann - Betreiber und Redakteur verschiedener Online-Plattformen wie Browserdoktor.de. Von 2004 bis 2014 als Systemadministrator verantwortlich für mehrere Linux-Server und kommunale Online-Lösungen. Heute: Selbstständiger Webdesigner, SEO und Online-Marketer in Köthen (Anhalt).

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