Plötzlich startet der Browser mit einer fremden Suchseite, jede Eingabe in die Adressleiste landet bei einem unbekannten Anbieter, und in der Erweiterungsliste sitzt etwas, das du nie installiert hast. Genau das machen Such-Hijacker. Sie kommen nicht als Virus, sondern als Beigabe: Sie werden bei der Installation eines kostenlosen Programms mit durchgewinkt, weil das Häkchen im Setup schon gesetzt war.
Diese Anleitung räumt das Schritt für Schritt auf. Sie ist bewusst allgemein gehalten, denn die Namen wechseln, das Prinzip nicht. Arbeite die Schritte der Reihe nach ab, das Auslassen einzelner Punkte ist der häufigste Grund dafür, dass die Fremdsuche nach ein paar Tagen zurückkommt.
1. Das dazugehörige Programm deinstallieren
Die Erweiterung im Browser ist nur der sichtbare Teil. In den meisten Fällen sitzt zusätzlich ein Programm im System, das sie immer wieder einträgt. Deshalb beginnt die Reinigung in Windows und nicht im Browser.
- Drücke Windows-Taste + I, gehe auf Apps und Installierte Apps.
- Sortiere die Liste nach Installationsdatum. Der Übeltäter wurde am selben Tag installiert wie das Programm, das du eigentlich haben wolltest.
- Deinstalliere alles, was du nicht zuordnen kannst, besonders Einträge mit Wörtern wie Search, Toolbar, Coupon, Shopping, Deals oder Web Assistant im Namen.
Wenn sich ein Eintrag nicht entfernen lässt, hilft der Ratgeber Programme unter Windows deinstallieren mit den Wegen für hartnäckige Fälle.
2. Erweiterungen im Browser löschen
Jetzt erst der Browser. Schließe vorher alle Fenster und öffne ihn neu, damit keine alte Sitzung die Änderungen überschreibt.
- Chrome: chrome://extensions in die Adressleiste. Alles entfernen, was du nicht kennst.
- Firefox: about:addons, dann links auf Erweiterungen.
- Edge: edge://extensions.
Lässt sich ein Eintrag nicht löschen, weil die Schaltfläche ausgegraut ist oder ein Hinweis auf eine Verwaltung durch die Organisation erscheint, wurde die Erweiterung per Richtlinie festgenagelt. Dann greift Schritt 4, der AdwCleaner räumt genau diese Einträge weg.
3. Startseite, Suchmaschine und Verknüpfungen zurückstellen
Ein Teil der Änderungen bleibt auch nach dem Löschen bestehen, weil er in den Browser-Einstellungen liegt. Prüfe deshalb:
- Startseite und Seiten beim Start: in Chrome unter chrome://settings/onStartup, in Firefox unter Einstellungen › Startseite.
- Standardsuchmaschine: in Chrome unter chrome://settings/search. Lösche fremde Einträge aus der Liste, nicht nur die Auswahl umstellen.
- Neuer Tab: wird oft von einer Erweiterung belegt, die sich erst nach deren Entfernung wieder zurückstellt.
4. Mit dem AdwCleaner nachfassen
Der AdwCleaner ist kostenlos und genau für diese Kategorie gemacht: Adware, Toolbars, Such-Hijacker und die zugehörigen Registry-Einträge, geplanten Aufgaben und Dienste. Schließe alle Browser, lass den Suchlauf durch, bereinige die Funde und starte den Rechner neu.
Findet er nichts, ist das ein gutes Zeichen. Bleibt das Problem trotzdem bestehen, steckt meist noch echte Schadsoftware dahinter. Dann führt der Weg über Malwarebytes und den Ratgeber Browservirus entfernen.
5. Browser zurücksetzen
Zum Abschluss das Zurücksetzen des Browsers. Das räumt die Reste auf: verstellte Einstellungen, gesetzte Berechtigungen, angeheftete Tabs. Lesezeichen und gespeicherte Passwörter bleiben dabei erhalten. Wichtig ist die Reihenfolge, denn ein Reset vor der Reinigung bringt nichts, die Software stellt alles sofort wieder um.
Diese Namen tauchen immer wieder auf
Über die Jahre sind hunderte dieser Suchseiten aufgetaucht und wieder verschwunden. Viele stammen von denselben Anbietern und unterscheiden sich nur im Namen. Wenn du einen dieser Begriffe in deiner Programmliste oder in der Adressleiste siehst, bist du hier richtig:
Quick Start, Fast Start, Fast Quick Search, Fast Browser Search, Search Quick, Quick Search, Instant Search, Nice Searches, Start Search, Startgo123, Startpageing123, Startseite24, Yessearches, Trotux, Aartemis, Qvo6, Vosteran, Omniboxes, SupTab, Vi-View, Becovi, WoW.com, WiserSearch, SaveSense, Amisites, Muvic Toolbar, SoSoDesktop, Eazel Toolbar, GQ Search, QX Search, Piesearch, Coldsearch, Web Discovery, Social2Search, ICQ Search, Speedbit Search, Default Search, Doko Search, Silver Search, LuckySearches, Lucky Search 123, CoolWWWSearch, WhenUSearch, Search Anonymo, Sonic Search, Browserdock, StartMeinWeb, Bueno Search, Happy Search, Do Search, Lavasoft Search, FBDownloader, Search FBDownloader, Lollipop Network, Shopping Helper Smartbar, Linkury Smartbar.
Die Liste ist nicht vollständig und wird es nie sein. Entscheidend ist nicht der Name, sondern das Muster: Eine Suchseite, die du nicht ausgewählt hast, kam mit einem Setup mit und lässt sich nicht über die normalen Einstellungen loswerden.
Alle diese Seiten sehen der Google-Suche bewusst ähnlich, damit die Umstellung möglichst lange unbemerkt bleibt. Die Trefferlisten bestehen überwiegend aus bezahlten Verweisen, und ein Teil davon führt auf Seiten, die ihrerseits Schadsoftware verteilen. Genau darin liegt das eigentliche Risiko, nicht in der fremden Startseite an sich.
Woran du erkennst, dass noch etwas übrig ist
- Die Startseite wechselt nach einem Neustart zurück auf die Fremdsuche.
- In der Suchmaschinen-Liste taucht der gelöschte Eintrag erneut auf.
- Der Browser meldet, eine Einstellung werde von deiner Organisation verwaltet, obwohl der Rechner privat ist.
- Es öffnen sich Tabs mit Werbung, ohne dass du etwas angeklickt hast.
In diesen Fällen sitzt noch ein Rest im System. Geh die Schritte 1 bis 4 erneut durch und achte besonders auf geplante Aufgaben und den Autostart, den du im Task-Manager unter Autostart-Apps findest.
So fängst du dir das gar nicht erst ein
- Programme nur von der Herstellerseite laden, nicht über Download-Portale mit eigenem Installer.
- Bei der Installation die benutzerdefinierte Variante wählen. Nur dort werden die Häkchen für Zusatzsoftware sichtbar.
- Jeden Setup-Schritt lesen, statt fünfmal auf Weiter zu klicken. Genau darauf ist das Geschäftsmodell gebaut.
- Einen aktuellen Virenscanner mitlaufen lassen, viele erkennen die Installer schon beim Download.
Mehr dazu im Ratgeber Sicherheit im Internet und in der Erklärung Was ist Adware?.
Häufige Fragen
Ist so ein Such-Hijacker ein Virus?
Technisch nicht. Er verschlüsselt nichts und richtet keinen direkten Schaden an, sondern leitet deine Suchanfragen um und verdient an der eingeblendeten Werbung. Trotzdem gehört er runter, denn er sieht mit, was du suchst, und öffnet oft die Tür für weitere Software.
Warum kommt die Suchseite nach dem Löschen zurück?
Dann läuft im Hintergrund noch das zugehörige Programm, oder in der Desktop-Verknüpfung hängt die Adresse hinter der EXE-Datei. Beides ist in Schritt 1 und 3 beschrieben.
Der Browser sagt, die Einstellung werde von meiner Organisation verwaltet. Was heißt das?
Die Software hat eine Richtlinie gesetzt, die normalerweise Firmen für ihre Rechner nutzen. Auf einem privaten Rechner ist das ein deutliches Zeichen für einen Hijacker. Der AdwCleaner entfernt diese Richtlinien mit.
Muss ich Windows neu aufsetzen?
In aller Regel nicht. Diese Kategorie sitzt nicht tief im System. Wenn nach AdwCleaner, Malwarebytes und einem Browser-Reset immer noch etwas auftaucht, geht es allerdings um mehr als Adware, dann ist eine gründliche Prüfung sinnvoll.
Betrifft das auch Handy und Mac?
Diese Anleitung beschreibt Windows. Auf dem Mac gilt das Gleiche sinngemäß, dort sitzen die Reste in den Systemeinstellungen unter Profile und in den Anmeldeobjekten. Am Handy sind es Apps mit Werbeeinblendungen, die du regulär deinstallierst.
